Können Filme als Zitat in den Unterricht eingebunden werden?

Das Zitatrecht nach § 51 Urheberrechtsgesetz ist eine der bedeutendsten Schranken (=„Einschränkungen“) des Urheberrechts und soll die Freiheit des geistigen Schaffens sichern. Im Kern geht es um die gesetzlich verbürgte Erlaubnis, eigene geistige Leistungen auf den Werken anderer aufbauen zu dürfen. Dies war und ist essentiell für den wissenschaftlichen und kulturellen Fortschritt der Menschheit.

Auf der anderen Seite darf das Zitatrecht natürlich nicht dafür missbraucht werden, fremde Werke unter eigenem Namen (und auf eigene Rechnung) zu verbreiten, da dies das Recht auf wirtschaftliche Verwertung des eigenen Werkes für den Schöpfer des zitierten Werks ad absurdum führen würde.

Die vielleicht komplexeste Frage rund um das Zitatrecht ist das Problem des Zitierens von Filmwerken – also die Integration fremder Filme in eigene Werke. Am häufigsten kommt dies in Form der Integration in eigene Filme vor, die Art des zitierenden Werkes ist aber rechtlich nicht relevant. Es kann sich genauso gut um eine Präsentation, einen Vortrag oder eine Unterrichtsstunde handeln.

Formale Anforderungen an korrektes Zitieren

Wird ein fremdes Werk in ein eigenes Werk aufgenommen, so müssen hierzu einige formale Punkte gewahrt bleiben, damit das fremde Werk deutlich als solches erkennbar bleibt:

  • Kennzeichnung des Zitats
  • Nennung des Urhebers
  • Wahrung der Integrität des Zitats

Korrektes Zitieren bedeutet also sicherzustellen, dass das fremde Werk nicht mit dem eigenen verschmilzt.

Wann ist ein Zitat auch tatsächlich rechtmäßig?

Die Belegfunktion

Die Aufnahme eines fremden Werkes in ein eigenes Werk ist grundsätzlich dann möglich, wenn das fremde Werk die Aussagen des eigenen Werks belegt, verdeutlicht, veranschaulicht usw. Das fremde Werk darf dabei jedoch nicht anstelle der eigenen Aussage treten. Das primäre Werk muss stets das eigene sein, das fremde Werk darf also lediglich als Beleg oder zur Verdeutlichung der eigenen Aussage dienen. Diese eigene Aussage muss eine eigenständige geistige Schöpfung sein.

Beispiel 1: im Rahmen der Auseinandersetzung mit Rollenklischees, die durch Massenmedien vermittelt werden, werden in einem Oberstufenkurs Werbefilme für Haushaltsprodukte darauf analysiert, welches Idealbild einer modernen Hausfrau aufgegriffen und für Werbezwecke dargestellt wird. Zu diesem Zweck werden mehrere Werbespots wiedergegeben.

Die Belegfunktion ist in diesem Fall offensichtlich, sodass dies als Zitat zulässig ist.

Beispiel 2: die Lehrkraft zeigt eine Animation zur Proteinbiosynthese, die die Vorgänge visuell veranschaulicht.

In diesem Fall tritt die Animation an die Stelle der Erläuterungen der Lehrkraft bzw. ergänzt sie. Die Vorgänge bei der Proteinbiosynthese sind aber keine eigenständige geistige Schöpfung der Lehrkraft – lediglich die Formulierung der Beschreibung könnte eine solche sein – sodass die Animation nicht als Beleg eines eigenen Werkes der Lehrkraft dienen kann.

Das Zitatrecht kann an dieser Stelle nicht mehr greifen, denn der grundsätzliche Zweck des Zitatrechts – nämlich geistiges Schaffen auf der Grundlage bestehender Werke zu legitimieren – ist hier nicht erfüllt.

Anders könnte dies jedoch unter Umständen zu beurteilen sein, wenn sich die Lehrkraft nicht primär mit den Vorgängen der Proteinbiosynthese, sondern mit verschiedenen Formen der Visualisierung befasst und ein oder mehrere Beispiele nach mediengestalterischen und/oder fachlichen Gesichtspunkten auf Verständlichkeit bzw. Missverständlichkeit untersucht.

Angemessener Umfang

Ein fremdes Werk darf nur in dem Umfang in ein eigenes Werk integriert werden, wie es für die Belegfunktion erforderlich ist. Dies kann – je nach Situation – ein kleiner Ausschnitt eines Werkes sein („Kleinzitat“), oder aber auch ein kompletter Film („Großzitat“). Nicht die Länge eines Filmausschnitts ist also entscheidend, sondern einzig die Frage der Angemessenheit für den legitimen Zweck.

Unveränderte Übernahme

Es versteht sich von selbst, dass eine Belegfunktion nur dann ernsthaft vorliegen kann, wenn das zitierte Werk unverändert übernommen wurde/wird.

„Kritisierende“ Zitate und Vor-Veröffentlichung

Eine Auseinandersetzung mit einem fremden Werk kann – und muss auch mitunter – (sachlich) sehr kritisierend sein. Dies liegt in der Natur der Dinge. Zitiert werden dürfen allerdings nur bereits veröffentlichte Werke, also Werke, die mit Einwilligung der Schöpfer in Verkehr gebracht worden sind.

Besitz der zitierten Werke

Sofern keine offensichtliche Rechtswidrigkeit vorliegt, ist die Frage, wie die Zitierenden in den Besitz der zitierten Werke gekommen sind, unbeachtlich. Dies können zum Beispiel auch Fernsehaufnahmen sein.

Vertiefende Lektüre

Zur Vertiefung möchte ich insbesondere die Lektüre der nachfolgenden Darstellungen empfehlen: